«Mami», sagte Matilda, «darf ich mit meinem Abendbrot ins Eßzimmer gehen, damit ich lesen kann?»

Der Vater warf ihr einen strengen Blick zu. «Kommt nicht in Frage!» schnauzte er sie an. «Beim Abendbrot versammelt sich die ganze Familie, und vorm letzten Bissen verläßt keiner den Tisch!»

«Aber wir sitzen ja gar nicht am Tisch», erwiderte Matilda, «das tun wir doch nie. Wir essen immer von den Knien und sehen fern.»



«Und was hast du dagegen? Würdest du mir das vielleicht einmal verraten?» fragte der Vater. Seine Stimme klang plötzlich sanft und gefährlich.

Matilda traute sich nicht, ihm zu antworten, deshalb hielt sie den Mund. Sie spürte aber, wie der Zorn in ihr kochte. Sie wußte, daß es nicht recht war, seine Eltern so zu hassen, aber es fiel ihr sehr schwer, es nicht zu tun. Ihre Lektüre hatte ihr Einblicke ins Leben vermittelt, die ihre Eltern nie gewonnen hatten. Wenn sie nur ein bißchen Dickens oder Kipling läsen, dann würden sie rasch verstehen, daß das Leben aus mehr besteht als aus Gaunertricks und Fernsehen.



Und noch etwas. Sie konnte es nicht ausstehen, wenn man ihr unaufhörlich einredete, sie sei dumm und dämlich, obgleich sie genau wußte, daß sie keins von beiden war. Die Wut in ihrem Bauch hörte nicht auf zu kochen, und als sie an diesem Abend glücklich im Bett lag, faßte sie einen Entschluß. Jedesmal wenn ihr Vater oder ihre Mutter gemein zu ihr waren, wollte sie es ihnen auf irgendeine Art und Weise heimzahlen.



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